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"Blind vertrauen!"

Kampagne zu Blindheit und Beruf spricht Arbeitgeber an

Berlin, 22.10.2007.

72% der Blinden im erwerbsfähigen Alter sind ohne feste Beschäftigung. Diese alarmierende Zahl hat das "Netzwerk berufliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen" (NBT) zum Anlass genommen, eine bundesweite Anzeigenkampagne zu starten. Detaillierte Informationen für Arbeitgeber finden sich auf www.ihre-einstellung.de. Mit dieser Kampagne will das NBT an Arbeitgeber appellieren, Vorurteile abzulegen, öffentliche Förderungen zu nutzen und blinden und sehbehinderten Menschen im Berufsleben eine Chance zu geben.

Leistungsfähigkeit und Motivation von sehbehinderten Mitarbeitern werden oftmals unterschätzt. Viele von ihnen sind hochqualifiziert. Doch noch immer ist bei Bewerbungen die Qualifikation sehbehinderter Menschen Nebensache - Blindheit ist ein Ausschlusskriterium. Folglich hat nicht einmal jeder dritte Blinde einen Job. Hier muss sich dringend etwas ändern, so Dr. Michael Richter, Geschäftsführer des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf.

Um Arbeitgeber und Personalverantwortliche zu erreichen, hat das NBT großformatige Anzeigen in den Fachzeitschriften der Personalwirtschaft und in großen überregionalen Tages- und Sonntagszeitungen geschaltet. Das Netzwerk spricht so die Entscheider direkt an.

Durch den technischen Fortschritt gibt es inzwischen viele Hilfsmittel, die blinden und sehbehinderten Menschen eine gleichberechtigte berufliche Teilhabe ermöglichen. Hinzu kommen personelle Hilfen z. B. im Rahmen von Arbeitsplatzassistenz. Blinde arbeiten in vielen verschiedenen Berufen, vom Metallbauer über Call-Center-Agents bis zur IT-Spezialistin. Vorurteilsfreie Arbeitgeber werden für ihre Offenheit mit besonderer Motivation und Leistungsbereitschaft der sehbehinderten Mitarbeiter belohnt.

Stephan Kleinbach, Inhaber eines mittelständischen metallverarbeitenden Betriebes in Stuttgart, ist Arbeitgeber von zwei sehbehinderten Metallwerkern. Deren Einstellung hat er nicht bereut. Karsten Zahler ist bereits seit 13 Jahren bei Herrn Kleinbach beschäftigt. Sein Vorgesetzter ist mehr als zufrieden mit ihm. Herr Zahler zählt zu einem fachlich hochqualifizierten Team von 32 Mitarbeitern. Er führt seine Arbeit trotz seines geringen Sehvermögens mit höchster Präzision und Zuverlässigkeit aus, so Kleinbach.
Mit der Kampagne zu Blindheit und Beruf will das NBT Arbeitgeber ermutigen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen, wie es der Unternehmer Kleinbach formuliert. Mögen viele seinem Beispiel folgen.

Das kann sich sehen lassen: Blinde Menschen im Beruf

Neue Kampagne zeigt Leistungsfähigkeit sehbehinderter Menschen im Beruf

Berlin, 09. Oktober 2007.

Das "Netzwerk für berufliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen" hat am 07. Oktober im Rahmen der "Woche des Sehens" eine bundesweite Anzeigenkampagne gestartet. Damit wollen die Initiatoren Vorurteile abbauen und Arbeitgeber auf die Leistungsfähigkeit von blinden und sehbehinderten Mitarbeitern aufmerksam machen.

Die meisten Arbeitgeber assoziieren mit Behinderungen "weniger leistungsfähig". Tatsächlich hänge ich mich sogar mehr rein, denn ich will ja zeigen, dass ich es kann - Michael Seipp bringt das Missverständnis auf den Punkt, dem viele Arbeitgeber erliegen. Der 40-jährige ist seit sieben Jahren verantwortlicher Personalsachbearbeiter bei Wolz Nautic in Gaukönigshofen. Er ist erster Ansprechpartner für annähernd 250 Mitarbeiter und bildet Bürokaufleute aus. Sein Vorgesetzter hält große Stücke auf ihn. Dass der gebürtige Bremer sehbehindert ist, spielt keine Rolle.

Sachbearbeiter, Justizangestellte, Physiotherapeuten, Fräsfacharbeiter, Call-Center-Agents und Hauswirtschafter - die Liste lässt sich beliebig erweitern. Blinde und sehbehinderte Menschen arbeiten heute in mehr Berufen als je zuvor. Dies ermöglicht der technische Fortschritt. Immer bessere Hilfsmittel, unterstützen blinde und sehbehinderte Menschen bei der Arbeit. So machen Scanner mit Texterkennung, Sprachausgabe-Software und Braillezeilen den Computer zum idealen Werkzeug für sie.
Es ist faszinierend, wie schnell sie trotz Blindheit mit dem Rechner umgeht, sagt Silke Scherfling von der Klinik für Innere Medizin in Dessau über ihre Kollegin Marion Lange. Die 51-jährige blinde Stenotypistin arbeitet in dem Klinikum als medizinische Schreibkraft.

Weder für Michael Seipp noch für Marion Lange ist es selbstverständlich, ihren Beruf ausüben zu können. Beide mussten darum kämpfen, arbeiten zu dürfen. Immer wieder trafen sie auf Vorurteile, waren jahrelang arbeitslos und wurden wegen ihrer Behinderung nicht einmal zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Eine Kurzsichtigkeit, die potentielle Arbeitgeber um engagiertes Personal gebracht hat.
Michael Seipps Vorgesetzte hingegen waren unvoreingenommen - heute profitieren sie von ihrer Offenheit: Herr Seipp ist ein äußerst wertvoller Mitarbeiter, sagt der kaufmännische Leiter von Wolz Nautic, Jürgen Gnebner, und ergänzt: Für uns zählt ausschließlich die Arbeitsleistung - und die passt!

Mit wenigen Hilfsmitteln können blinde und sehbehinderte Menschen die gleichen Leistungen erbringen wie sehende. In der Regel sind sie besonders motiviert, zu zeigen was in ihnen steckt. Mit der gerade gestarteten Kampagne klärt das "Netzwerk für berufliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen" Arbeitgeber, Personalverantwortliche und die breite Bevölkerung über die Potentiale auf, die blinde und sehbehinderte Mitarbeiter in einen Betrieb einbringen. Wenn man sie lässt. Denn das Kampagnenmotto bringt es auf den Punkt: "Auf Ihre Einstellung kommt es an".

Weitere Informationen unter:
www.ihre-einstellung.de

Blind und erfolgreich im Beruf

Am 7. Oktober startet im Rahmen der bundesweiten "Woche des Sehens" die Aufklärungskampagne "Blindheit und Beruf"

Berlin, 24.09.2007.

In Deutschland leben laut WHO-Report rund 1,25 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen. 72 Prozent der Blinden im erwerbstätigen Alter sind ohne dauerhafte Anstellung. Obwohl viele Betroffene erstklassige Qualifikationen und Abschlüsse mitbringen, verschlechtern sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt seit fünf Jahren kontinuierlich. "Um diese Situation zu verändern, haben sich Bildungseinrichtungen und Organisationen für blinde und sehbehinderte Menschen im Oktober 2006 zum NBT zusammengeschlossen", so Dr. Michael Richter, Geschäftsführer des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS). Das Kürzel "NBT" steht für "Netzwerk berufliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen". Ab dem 7. Oktober koordiniert Richter für das NBT gemeinsam mit der bundesweiten Aktion "Woche des Sehens" (WdS) eine groß angelegte Kampagne zum Thema "Blindheit und Beruf". Bundespräsident Prof. Horst Köhler hat die Schirmherrschaft für die Kampagne übernommen, die darüber hinaus von der Bundesagentur für Arbeit unterstützt wird.

"Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen", so steht es im Grundgesetz (Artikel 12). Demnach kann schwindende Sehkraft nicht das berufliche Abseits bedeuten. Trotzdem haben viele blinde und sehbehinderte Menschen aufgrund ihrer Einschränkung Probleme im beruflichen Alltag. So darf die Berliner Rechtsanwältin Pamela Pabst ihren Traumberuf Strafrichterin aus Gesetzesgründen nicht ausüben. Auch der im Juli verhandelte Fall der Münchner Lehramtsstudentin Bettina Koletnig, der wegen ihrer Sehbehinderung der Abschluss ihres Studiums verweigert wurde, verdeutlicht die Vorbehalte der Arbeitgeber und letztlich die unserer Gesellschaft.

Blinde und sehbehinderte Menschen erwarten keine Fürsorge und Mitleid, sondern wollen ihr Leben selbstbestimmt und eigenverantwortlich gestalten. Renate Reymann, Präsidentin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes sowie Mit-Initiatorin des NBT, setzt sich für soziale Absicherung, gesellschaftliche Integration und insbesondere berufliche Förderung der Betroffenen ein. "Das Ziel unserer Arbeit ist es, die hierfür erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen", sagt die selbst sehbehinderte Sachbearbeiterin. "Wo gesellschaftliche, politische oder technische Entwicklungen blinde und sehbehinderte Menschen benachteiligen, schaffen wir ein entsprechendes Bewusstsein und setzen uns für Veränderungen ein."

Ein positives Beispiel für die Integration von blinden und sehbehinderten Berufstätigen liefert der IT-Bereich. Hier werden neue Jobperspektiven geschaffen, beispielsweise mit den Berufsbildern Software-Entwickler, Web-Designer, Online-Journalist, Netzwerk-Administrator und Informatik-Kaufmann. Darüber hinaus entwickelt und produziert die Branche auch spezielle Arbeitsmittel wie Vorlesegeräte oder Blindenschrift-Displays. Mit diesen Hilfsmitteln arbeiten Blinde und Sehbehinderte heute in ehemals für sie nicht zugänglichen Berufen.

Über das NBT:
Gegründet im Oktober 2006. Mitglieder sind berufliche Bildungseinrichtungen für blinde und sehbehinderte Menschen in Deutschland, der Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen (VBS) sowie zwei Selbsthilfeorganisationen, die am Thema "Berufliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen" arbeiten, namentlich der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS).
Weitere Informationen unter www.dbsv.org und www.dvbs-online.de.

Über die Woche des Sehens:
Gegründet im Jahr 2001 von acht Organisationen, die aus verschiedenen Blickwinkeln das Thema "Blindheit und Sehen" beleuchten, unter ihnen auch DBSV und DVBS. Alljährlich verbindet die WdS den "Welttag des Sehens" am zweiten Donnerstag im Oktober mit dem "Tag des weißen Stockes" am 15. Oktober zu einer einwöchigen Public-Awareness-Kampagne. Im Jahr 2007 wird die WdS vom 7. bis 15. Oktober stattfinden, eines von drei Schwerpunktthemen ist "Blindheit und Beruf". Aktuelle Fakten und vertiefende Hintergrundinformationen bietet die Homepage www.woche-des-sehens.de.

Pressekontakt:
Pleon GmbH
Frank Ahnefeld
Hausvogteiplatz 2
10117 Berlin
Telefon: (030) 726 139-957
Fax: (030) 726 139-890
E-Mail: frank.ahnefeld@pleon.com
Homepage: www.pleon.de
Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V.
Michael Herbst
Frauenbergstraße 8
35039 Marburg
Tel: (064 21) 9 48 88-0
Fax: (064 21) 9 48 88-10
E-Mail: herbst@dvbs-online.de
Homepage: www.dvbs-online.de

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