Der Einsatz moderner Informationstechnologie am Arbeitsplatz und in der Ausbildung gehört für blinde und sehbehinderte Menschen, ebenso wie für Nichtbehinderte, heute zum Standard. Die positive Wirkung der EDV auf Arbeitsfelder und Tätigkeitsbereiche ist für behinderte Menschen sogar noch höher einzuschätzen als für nicht behinderte, da vieles durch diese Technologie erst für sie ermöglicht wird. So können blinde Menschen gedruckte Vorlagen mittels einem Texterkennungssystem ohne sehende Arbeitsassistenz lesen und selbstständig Informationen im Internet suchen und weiter verarbeiten. Auch gibt es spezielle Blindennotizgeräte, die für diesen Personenkreis Notizblock, Kugelschreiber, Terminkalender, Adressbuch und vieles mehr in geeigneter Form vorhalten.
Blinde und sehbehinderte PC-Anwender benutzen Standardcomputer und Standardsoftware wie sie heute an allen Arbeitsplätzen und Ausbildungsstätten üblich sind. Es gibt aber auch Unterschiede gegenüber Anwendern ohne Behinderung. Diese Besonderheiten sind vor allem in den folgenden vier Bereichen zu sehen:
Dabei ist die individuelle Ausprägung dieser Unterschiede und deren Gewichtung von dem Grad der Sehbehinderung abhängig und daher muss auch zwischen Personen mit Blindentechniken], Personen mit Sehbehindertentechniken und Personen mit Mischtechniken unterschieden werden. Jede Gruppe benötigt andere Hilfsmittelkonstellationen und individuelle Arbeitstechniken.
Bevor die Hilfsmittel im Einzelnen vorgestellt werden, hier noch einige kurze Anmerkungen zu den genannten Unterschieden:
Vollständig blinde Menschen können den Bildschirm natürlich nicht benutzen. Sie benötigen statt dessen einerseits ein Zusatzgerät, das Braillezeile genannt wird. Dieses Gerät stellt Text, der für den Sehenden auf dem Bildschirm sichtbar ist, in Blindenschrift (auch Punkt- oder Brailleschrift genannt) dar, die der blinde Computerbenutzer durch Ertasten mit den Fingern liest. Andererseits kommt eine Synthetische Sprachausgabe zum Einsatz, die ihm die sichtbaren Bildschirminhalte vorliest. Beide Ausgabegeräte werden von einem so genannten Screenreader (Bildschirmausleseprogramm) angesteuert, der die Inhalte des Bildschirms beobachtet und für den Anwender relevante Informationen über die Braillezeile und/oder die Sprachausgabe darbietet.
Sehbehinderte Anwender können hingegen den Bildschirm nutzen, brauchen allerdings im Regelfall andere Einstellungen oder Zusatzprogramme, die den Bildschirminhalt vergrößern oder farblich aufbereiten. Da die Auswirkungen einer Sehbehinderung auf das tatsächliche Sehvermögen sehr unterschiedlich sein können, gibt es auch bei diesen Personen unterschiedliche Erfordernisse für die Auswahl und die Einstellung der Hilfsmittel. So kann für den einen Anwender ein möglichst großer Röhrenmonitor mit einem hohen Zoom-Faktor das Richtige sein, für den anderen wiederum stellt ein kleiner TFT-Monitor mit einer messerscharfen Zeichendarstellung seine Arbeitsfähigkeit her.
Software, die den heutigen Standards entspricht und mit textlichen Informationen arbeitet, kann in der Regel von blinden und sehbehinderten Anwendern bedient werden. Leider gibt es aber auch Software, die sich nicht an Programmierregeln hält oder Technologien einsetzt, die sonst nicht gebräuchlich sind. Diese Programme können ebenso wie Anwendungen mit rein grafischen Informationen u. U. eine Barriere für blinde und sehbehinderte PC-Benutzer darstellen. Heutige Office-Anwendungen, Internet, E-Mail und Systemtools sind aber eher unproblematisch. Auch die Arbeit im Netzwerk stellt keine Hürde dar. Schwierigkeiten sind eher bei Grafik- und Layout-Programmen zu erwarten, die auf bildlichen Darstellungen basieren. Welche Programme und Softwarefunktionen unter Hilfsmitteln tatsächlich und mit welchen Einschränkungen einsetzbar sind, sollte im Rahmen einer firmenunabhängigen Beratung abgeklärt werden.
Blinde benutzen keine Maus bei der Bedienung des Computers, sondern steuern alles über die PC-Tastatur. Dabei besteht zum einen die Möglichkeit, Funktionen direkt durch Tastaturkürzel (Shortcuts) auszulösen und zum anderen diese über die so genannten Menüs auszuwählen. Sollte wirklich einmal eine Funktion nicht über diese beiden Wege erreichbar sein, ist eine Maussimulation über die Braillezeile möglich.
Vieles ist für blinde und sehbehinderte Arbeitskräfte mit moderner Informationstechnologie heute möglich. Aber die ausgefeilteste Technik hilft nicht, wenn die falsche Technik ausgewählt wurde oder sie nicht den individuellen Bedürfnissen des Anwenders entspricht. Ebenso muss der Anwender in die Lage versetzt werden, Hard- und Software behindertengerecht zu bedienen und für seine Belange effektiv einzusetzen. Aus den oben geschilderten Unterschieden wird deutlich, dass für Blinde und Sehbehinderte eine Standard-EDV-Schulung mit Mausbedienung und bebildertem Schulungsmaterial nicht weiterhilft.
Die folgenden Kurzbeschreibungen von Hilfsmitteln sind nach den jeweiligen Arbeitstechniken der Anwender sortiert, die sich aus deren Sehbehinderung und den daraus resultierenden Besonderheiten ergeben.